Bereich: Horizonte hilft...
Jugendwerkstatt
„Die Firma“

Mit diesem Projekt entstand ein Angebot für sozial benachteiligte junge Menschen, denen auch unter Zuhilfenahme der verschiedensten Angebote der Arbeitsförderung ein Einstieg in die Arbeitswelt nicht gelungen ist. Hier ist grundsätzlich von einer besonders hohen Arbeitsmarktferne und in den meisten Fällen von einem sehr problembelasteten Lebenshintergrund auszugehen.
Diese jungen Menschen waren bisher nicht dauerhaft in Maßnahmen oder Arbeitsverhältnissen zu integrieren und sind sie für das System der Arbeitsförderung nur schwer zu greifen. Diese Zielgruppe kann mit einem starren Maßnahme-Setting nicht erreicht werden. Vielmehr muss ein offenes System zu Grunde liegen, dass nicht überfordert und auf die Eigenmotivation der Teilnehmer setzt.
Ziele
- Einstieg/Rückführung in das Arbeitsleben
Die Maßnahme möchte durch einen sehr niederschwelligen Ansatz Zugangswege in das Arbeitsleben für die Zielgruppe eröffnen. - Tagesstruktur schaffen
Häufig haben die Teilnehmer eine zeitliche Struktur regelrecht verlernt. Mit der zunehmenden Regelmäßigkeit der Tätigkeiten in der Maßnahme entsteht für sie erstmals wieder eine Tagesstruktur. - Heranführung und Gewöhnung an kontinuierliche Arbeit
Zunächst über die Möglichkeit ohne zeitliche Vorgaben zu arbeiten, sollen die Teilnehmer mehr und mehr an regelmäßige Arbeit gewöhnt werden. - Erfolgserlebnisse verschaffen
In den einzelnen Projekten erhalten die Teilnehmer Gelegenheit positive Erfahrungen mit Arbeit machen. Das Bewältigen der gestellten Aufgaben vermittelt Erfolgserlebnisse. - Arbeitsfähigkeit verbessern
Mit dem Erlernen von Schlüsselqualifikationen verbessern die Teilnehmer ihre Fähigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. - Lebenshintergrund klären und stabilisieren
Sozialpädagogische Betreuung soll helfen Probleme im Lebensumfeld zu erkennen, daran zu arbeiten und so schließlich die Lebenssituation zu stabilisieren. - Positive Entwicklungen anstoßen
Der strukturierende Rahmen und die pädagogische Unterstützung schaffen einen Rahmen für weiterreichende Entwicklung der Teilnehmer. So ergibt sich eine Basis für die gezielte Arbeit an beruflichen und persönlichen Perspektiven. - Rückführung in das soziale Netz
Als Folge der sozialpädagogischen Begleitung und mit der Verstetigung der Tätigkeit in der Maßnahme lernen die Teilnehmer, das bestehende soziale Netz wieder zu nutzen. - Bereitschaft zu Qualifikation und möglichen weiterführenden Maßnahmen
Bei Beendigung der Maßnahme sollen die Teilnehmer mindestens in der Lage sein, weiterführende Angebote aus dem gesamten Spektrum der Arbeitsförderung zu nutzen.
Das niederschwellige Konzept
Praktisches Arbeiten stellt innerhalb der Maßnahme das zentrale pädagogisch wirksame Element dar. Mit diesem explizit praktischen Ansatz wird ein bewusster Schritt weg von Maßnahmen mit theoretischem Unterrichtscharakter hin zu den Möglichkeiten der Zielgruppe getan. Dabei entstehen für die Teilnehmer Gelegenheit zum Erproben verschiedener Arbeitsfelder und persönlicher Fähigkeiten in der Werkstatt. Damit einher geht die Chance auf positive Erfahrungen mit regelmäßiger Arbeit und einem strukturierten Tagesablauf.
Auf dem Hintergrund langfristiger Arbeitslosigkeit oder eines von je her misslungenen Einstiegs in das Arbeitsleben wird eine regelmäßige Arbeit als hohe Hürde erlebt. Die Maßnahme ist bewusst so konzipiert, dass der Einstieg für die Teilnehmer erleichtert wird und ein Rahmen geschaffen wurde, der langsam an regelmäßige Arbeit heranführt. Die Teilnehmer sind in den Bereichen Garten- und Landschaftspflege, und Kfz- bzw. Fahrrad-Restaurierung eingesetzt.
Im Verlauf der Einstiegsphase besteht zunächst keine Anwesenheitspflicht. Die Teilnehmer können innerhalb eines vereinbarten Rahmens kommen und arbeiten, erhalten dann Lohn nur für die geleisteten Stunden und im unmittelbaren Anschluss an die Arbeit (Tagelöhnerprinzip). So erhalten sie die Möglichkeit langsam und ohne Druck in die „Alltagssituation“ Arbeit einzusteigen. Mit zunehmender Verweildauer steigt die regelmäßige Arbeitszeit und die Verbindlichkeit der Anwesenheit, so dass eine Gewöhnung an die Tagesstruktur entsteht.
Die pädagogische Arbeit beinhaltet ausdrücklich aufsuchende und nachgehende Elemente. So ist etwa denkbar, beim unentschuldigten Fernbleiben einen unmittelbaren Hausbesuch durchzuführen um den Teilnehmer „zurück zu holen“. Besonders relevant werden solche Methoden dort, wo sich Abbrüche oder vorübergehende Krisen abzeichnen. Damit soll den spezifischen Problemen der Zielgruppe entgegnet und die hohe Hürde der reinen „Komm-Struktur“ überwunden werden.
Pädagogische Arbeit
Flankierend wird auch hier mit sozialpädagogischer Betreuung an der Stabilisierung und Entwicklung der Teilnehmer gearbeitet. Sie greift in den folgenden Lebenssituationen der Teilnehmer:
Einzelfallhilfe, Stabilisierung der Lebenssituation: Anamneseerhebung, sozialpädagogische Diagnose, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Beratung in Angelegenheiten der Gesundheit, Klärung der Existenzsicherung, persönliche Begleitung bei Behördengängen und bei Antragstellungen, Aufarbeitung der finanziellen Situation und Schuldnerberatung, Beratung bei Problemen im sozialen Umfeld, Elternarbeit, Unterstützung bei der Überwindung von Sucht (auch nicht-stoffgebundene Formen, wie etwa Essstörungen oder Spielsucht), Beratung bei psychischen Problemen und ggf. Einleitung einer Therapie, usw.
Begleitung im Lernfeld Arbeitswelt/Qualifikation: Kontinuierliche Motivationsarbeit, aufsuchende Arbeit mit Hausbesuchen, Lebenspraktische Qualifikation, Aufarbeitung der Arbeitssituation mit dem Teilnehmer, Koordination der Qualifizierungsanteile, Beurteilung der Teilnehmer, pädagogische Beratung der handwerklichen Anleiter, gruppenpädagogische Angebote, soziales Kompetenztraining usw.
Entwicklung einer beruflichen Perspektive, Motivationsarbeit: Eignungsfeststellung, Begleitung bei der Auswahl geeigneter Berufsfelder, Berufswegeplanung, Anbahnung weiterführender Qualifikationsangebote, Mithilfe bei der Auswahl geeigneter Betriebe und dem Bewerbungsprozess, Unterstützung bei der Arbeitssuche, Anbahnung der Arbeitsaufnahme, Nachbetreuung, usw.
Die konkreten Inhalte der sozialpädagogischen Begleitung und deren Ziele werden mit dem Teilnehmer vereinbart und in einem Förderplan festgehalten. Er gewährleistet eine systematische und methodische Vorgehensweise sowie die gezielte Förderung des Teilnehmers. Im Zuge der Betreuung wird der Förderplan regelmäßig fortgeschrieben und an die aktuellen Entwicklungen angepasst.
